Einmal Nagel, frisch geklopft

Die Otterberger Schmiede ist möglicherweise älter als 400 Jahre. Der Amboss steh

Die Stimme alter Steine: Die alte Schmiede Theis in Otterberg war einst Mittelpunkt des Dorflebens - Am Samstag geöffnet

Absolut unauffällig steht sie da, die alte Schmiede Theis in Otterberg. Ein altes, in die Jahre gekommenes Gebäude auf der Ecke zweier Gassen. Nichts Besonderes - doch der äußere Schein trügt gewaltig.

Früher war das Haus geachtet, es war der Mittelpunkt, der Puls des dörflichen Lebens. Es war das Leben! Hier wohnte nämlich der Schmied und den brauchte einfach jeder. Ob er dem hölzernen Wagenrad das Eisen überzog und ihm die Funktion einhauchte. Oder ob er reparierte, was es zu reparieren gab.

Früher kaufte niemand einen Nagel im Baumarkt. Den gab es beim Schmied, frisch geklopft. Ob Ochs oder Pferd - ohne vernünftiges Schuhwerk hatten weder Bauer noch Kutscher lange Freude an den Arbeitstieren. Dampfend und stinkend war zwar die Anprobe. Doch dank dem Schmied passte das Hufeisen am Ende immer. Und das allein zählte.

Das steinerne Wappen im Schlussstein über dem Tor hält bis heute die Stellung. Auch wenn jetzt eher Abgase denn verbrannte Hufwolken zu ihm hochsteigen. Das Wappen hat die Blütezeit des Schmiedehandwerks gesehen, ebenso seinen Untergang. So recht weiß heute niemand mehr, wann es dort angebracht wurde. Das Haus jedenfalls wurde laut Gutachten - an Mauerwerk und tragenden Holzbalken durchgeführt - um oder sogar vor 1600 gebaut. Ein wahrhaft altes Schätzchen.

Die Schmiedetradition begann 1792 mit Friedrich Theis. Er füllte das Wohnhaus mit handwerklichem Schaffen, einem Amboss und dem Schmiedefeuer. Das Feuer erlosch erst 1980 in der sechsten Generation bei Helmut Theis. 1925 geboren, erlernte er zwar noch das Handwerk, doch es war längst unter die Räder geraten: Der Traktor war über einen ganzen Berufsstand gerollt und auch sonst hatte der Einzug der Technik den Beruf des Schmieds immer mehr an den Rand gedrängt. Heute gibt es ihn im Grunde gar nicht mehr. Die Lehrinhalte des alten Handwerks wurden umgeschichtet, heute wird Metallbauer gelernt. Der Hufbeschlag der Pferde muss dann extra draufgepackt werden.

Vermutlich kennen die heutigen Lehrlinge nicht einmal mehr die ganze Bedeutung der im Wappen abgebildeten Werkzeuge. Hammer und Zange sind eindeutig. Auch das Eisen ist unschwer als Hufeisen zu definieren. Obwohl das Symbol heute meist nach oben offen - eben andersrum - dargestellt werden. Das Glück soll ja reinfallen und drinbleiben.

In alten Wappen ist das Hufeisen mal mit der Öffnung nach unten und mal nach oben dargestellt.Allerdings könnte die Wappendarstellung auch ganz andere Gründe haben. So war es im Mittelalter nur dem Adel erlaubt, im Wappen ein nach unten geöffnetem Hufeisen zu führen. Wunschdenken im Hause Theis? Oder steckt mehr dahinter? Leider ein Rätsel ohne Lösung.

Das vierte Werkzeug auf dem Wappenstein wirft ebenso Fragen auf. So sahen früher die Hufmesser, damals Wirkmesser genannt, aus. Bis sie vom Militär verboten wurden. Die Verletzungsgefahr für den Schmied war zu groß. Ein deutliches Zeichen, wie wichtig dieser Handwerker gerade auch zu Kriegszeiten war.

Selbst die Kühlung eines Biers war in früheren Jahren ohne Schmied schwer möglich. In der alten Schmiede wurden lange Eisstangen und -haken gerichtet, Äxte geschärft. Nur so konnte im Winter auf den zugefrorenen Weihern das Eis geholt und in die Eiskeller gebracht werden. Denkt heute noch einer an den Schmied, wenn er im Sommer ein frisches Bierchen trinkt? Wohl eher nicht.

Unter Denkmalschutz steht das Otterberger Haus nicht, die Schmiede darin schon. Der Schritt hinein führt in eine lebendige Vergangenheit. Fast hört man den Hammer auf den Amboss fliegen. Dumpf und laut, wenn er aufs heiße Eisen trifft; dann folgen leichte, fast singende Töne. Der Amboss steht wie eh und je auf einem eingegrabenen Eichenstamm. Daneben die große Esse, vorne ein Sandsteintrog. Im Eck hängt der Blasebalk. Ein monströses Relikt aus Zeiten ohne Strom. Es funktioniert ganz wunderbar, wenn ein kräftiger Schmied nicht müde wird, ihn zu drücken.

Die Schmiedemeister Mischa Volkmann und Gerd Wiese geben ihr Bestes, den Ort so zu erhalten, wie er früher einmal war. Sie wollen zugleich auch die Kunst eines fast ausgestorbenen Handwerks bewahren. Ein Handwerk, das früher das Leben im Dorf aufrechterhielt. Das Wappen kann es bezeugen.

Von Doris Theato
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Rheinpfalz 4. Mai 2011

Info

Das Schmiedemuseum in der Kirchgasse in Otterberg ist jeden ersten Samstag im Monat ab 15 Uhr geöffnet.
Infos unter info@otterberg.de